Beharrlichkeit führte zum Ziel

Wer heutzutage den Fördewanderweg zwischen Laboe und Heikendorf benutzt denkt kaum noch darüber nach, dass dieser erst seit 2015 barrierefrei genutzt werden kann. Denn vorher gab es im Bereich des Bundeswehr-Munitionsdepots eine sehr steile Brücke im Bereich der Pier, wo Marineschiffe mit Munition und Waffen be- und entladen wurden.
1958 startete auf dem Gelände eine Schmalspurbahn für die Munitions-Transporte, 1963 wurde dann die Brücke erbaut, 1995 rollten dann die letzten Züge zur Munitionspier, aber die Brücke blieb nach wie vor bestehen.

Gert Mißfeld (re) dankt Ulrich Steingräber für sein jahrzehntelanges Engagement

Ein unpassierbares Hindernis zwischen Laboe und Heikendorf für Rollstuhlfahrer, mühsam war die Überquerung auch mit Kinderwagen und Fahrrädern, hier kam es oft zu Stürzen. Die beiden Gemeinden Heikendorf und Laboe führten viele Gespräche mit der Bundeswehr, um gemeinsam eine Lösung für eine Umgehung auf dem beliebten Fördewanderweg zu finden.

Aber die Bundeswehr war ja der einzige Beteiligte an der Sache, der kein Problem mit der Brücke hatte. Denn das Problem mit der Brücke haben ja nur andere, wie z.B. Menschen mit Kinderwagen, im Rollstuhl oder Fahrradfahrer und Gehbehinderte Menschen. Uns so ließ die Bundeswehrverwaltung immer wieder verlauten, dass sie für die Lösung der Probleme von Menschen mit Mobilitätsproblemen formal nicht zuständig ist. Und an dieser Grundeinstellung der Bundeswehr – Barrierefreiheit ja, aber die Bundeswehr finanziert das nicht – hatte sich jahrelang nichts geändert.

Aber immer mehr Vereine, Verbände und Organisationen schlossen sich zusammen, um für einen barrierefreien Fördewanderweg zu kämpfen. Allen voran Ulrich Steingräber, seinerzeit Vorsitzender im Seniorenbeirat von Heikendorf.

Als Beamter war er es gewohnt, dass die Räder der Behörden sich oftmals nur sehr langsam und mühsam drehen. Aber Ulrich Steingräber ließ sich nie entmutigen, immer wieder suchte er nach neuen Unterstützern und Geldgebern und führte unermüdlich einen gewaltigen Briefwechsel mit allen verantwortlichen Stellen.

die alte Brücke, rechts die neue ebenerdige Umgehung

Und das alles ohne jegliche Polemik und mit großer Sanftmut, wie Gert Mißfeldt, ehemaliger Schwimmmeister in der Meerwasserschwimmhalle Laboe betonte. Die beiden lernten sich in der Laboer Schwimmhalle kennen und Gert Mißfeldt hat den mühsamen Weg und den langen Kampf seit den 90-er Jahren rund um die Umgehung der Brücke mitverfolgt.

2011 wurden dann durch die Wehrbereichsverwaltung die erforderlichen Pläne genehmigt, 2013 wurden dann auch die Fördergelder bewilligt und mit dem Bau der Brückenumgehung konnte begonnen werden. Für die Bundeswehr erforderte das die Planung völlig neuer Sicherungseinrichtungen in dem Bereich. Die Brücke steht zwar immer noch, kann aber nicht mehr genutzt werden. Denn 2015 wurde dann endlich nach 2 Jahren Bauzeit und Baukosten in Höhe von rund 200.000 € die kleine Umgehung eingeweiht.

Damit diese jahrzehntelangen Bemühungen nicht in Vergessenheit geraten, würdigte Gert Mißfeldt im Namen aller Menschen, die von dieser barrierefreien Umgehung profitieren, Ulrich Steingräber mit einer Urkunde und einem Straßenschild. Auch wenn das Schild nicht auf dem Bundeswehrgelände angebracht werden darf, es wird Ulrich Steingräber immer an die unermüdlichen Bemühungen für „seinen“ barrierefreien Fördewanderweg erinnern.