Cap San Diego in Kiel

berichten möchte ich heute von einem Erlebnis der ganz besonderen Art, denn auf Einladung von Kapitän Rüdiger von Ancken gab es am Donnerstag statt eines Captains Dinner auf einem Dampfer einmal eine ganz persönliche Captains Führung auf der Cap San Diego.

Kapitän Rüdiger von Ancken hieß mich dann an Bord ganz herzlich willkommen und schon ging es los mit der Führung zu den wichtigsten Stationen des Schiffes. Denn ich denke mal, man würde ein paar Tage brauchen, bis man auch den letzten Winkel des Schiffes erkundet hätte.

Start war auf der Brücke, dem wichtigsten Arbeitsplatz des Kapitäns. Und da die Cap San Diego zwar einerseits ein Museumsschiff, andererseits aber ja noch voll fahrtüchtig ist, funktioniert natürlich auch noch jeder Schalter und Hebel auf der Brücke. Weiter ging es dann in den Funkraum, wo sich die Amateurfunk-Clubstation der Marinefunker e.V. häuslich niedergelassen hat.

Ich war bislang immer davon ausgegangen, dass Amateurfunk in Zeiten von Internet, Facebook und Co nur noch was für ein paar reifere Herren in meinem Alter wäre. Aber auf der Cap San Diego war ich dann völlig überrascht, dass ich mit meinen Vorstellungen über den Amateurfunk völlig danebenlag. Der beste und lebende Beweis war die junge und charmante Amateurfunkerin Jutta in der Funkbude und wer mal mit ihr Kontakt aufnehmen möchte – DF6LP heißt die fröhliche Deern im Äther. Und was auch sehr erstaunlich ist, es gibt in Deutschland über 60.000 zugelassene Amateurfunker/-innen und über 70.000 zugelassene Rufzeichen.

2016-08-04 083 - Cap San Diego Besichtigung (Large)
Blick von der Brücke auf das Deck

Aber viel Zeit zum Klönen blieb nicht, der Käpt´n hatte ja noch eine umfangreiche Tour mit mir vor.

Obwohl ein Frachtschiff, einen schönen Salon gab es natürlich auch. Bis zu 12 Passagiere konnten damals mit auf Reise gehen. Ursprünglich gab es auf der Cap San Diego einmal 49 Mann Besatzung, die dann aber im Laufe der Jahre auf 35 Mann reduziert wurde. Kostenersparnis also auch schon damals.

Einen Blick in die Bordwäscherei haben wir aber auch geworfen, selbstverständlich war damals auch immer ein Chinese für die Wäsche zuständig.

Tief unten im Bauch des Schiffes befinden sich dann die Hauptmaschine und die Hilfsdiesel der Cap San Diego. Im Prinzip ein übergroßer LKW-Motor, 9 Zylinder MAN 2-Takt-Motor mit Abgasturbolader und 11.650 PS. Wenn das Schiff im Hafen liegt und die Hauptmaschine abgeschaltet ist sorgen 4 DEUTZ Hilfsdiesel mit je 500 PS für den notwendigen Strom an Bord. Obwohl nur zwei der 4 Motoren in Betrieb waren, herrschte da ein gewaltiger Lärm im Maschinenraum. Also was für Frauen Chanel Nr. 5 oder so, ist für mich dieser herrliche Diesel- und Schmierölgeruch.

Immer wenn man dachte, tiefer kann es ja nun nicht mehr gehen, kam immer noch irgendwo ein Niedergang der abwärts führte.

Gewaltig die großen Laderäume für das Stückgut, wenn man da als kleiner Mensch so drinnen steht. Auch Tiefkühlräume und normale Kühlräume befinden sich dort, denn auch geschlachtete Rinder aus Argentinien wurden ja transportiert, die Haken an der Decke sind heute noch vorhanden. Kaffee, Reis, Tee aber auch Schweröl in speziellen Tanks wurden über die Weltmeere geschippert. Alles zusammen auf einem Schiffversteht sich, in der heutigen Zeit kaum noch vorstellbar. In den 60-er und 70-er Jahren war das aber total normal. Dagegen waren ja die „Bananenfrachter“ richtig langweilig, auch so eine Ladung hätte locker in die Cap San Diego gepasst und noch etliche andere Sachen dazu.

Das Ende der Stückgutfrachter kam dann in den 80-er Jahren, als die großen Containerschiffe mit ihren genormten Blechkisten an den Start gingen. Kapitän von Ancken erzählte mir, dass es damals bis zu 7 Tage gedauert hat, bis die Cap San Diego beladen war. Bei den Containerschiffen heutzutage rechnet man in Stunden und nicht mehr in Tagen beim Be- und Entladen.

In einer Ladeluke befand sich übrigens die Ausstelllung „Kartonbauwelten 2016“. Also auch auf dieser Ausstellung hätte man noch lange Zeit verbringen können, ist ja irre, was alles aus Papier und Karton gebastelt werden kann. Modellbausätze aus Kunststoff habe ich früher öfters zusammen mit meinem Sohn gebastelt, aber bei den Papierkunstwerken hab ich dann aber doch staunen müssen, was da alles möglich ist.

Die Zeit auf der Cap San Diego verging viel zu schnell, also von mir aus hätte das gleich noch mal los gehen können mit einer Reise nach Rio. Dabei war das Schiff ja heute schon in Laboe, einmal um die Ecke rum um die Cap San Diego wäre in Brasilien gewesen und hätte in Kalifornien wenden können. Aber das Fahrgebiet beschränkt sich auf Fahrten bis zum Kieler Leuchtturm auf der Ostseeseite und bis nach Cuxhaven auf der Nordseeseite. Eine Fahrt mit brasilianischer Live-Musik gibt e in diesem Jahr noch, Näheres dazu dann im Album.

Als dann am heutigen Freitagmittagmittag der weiße Schwan des Atlantiks laut tutend vor Laboe auftauchte und vor Strande gedreht hat, war das schon ein ganz besonderer Anblick für mich. Aus einem zwar bekannten Museumsschiff ist nun sozusagen „Mein Schiff“ geworden, das ich fest ins Herz geschlossen habe.

Meine Kamera war gestern an Bord praktisch im Dauereinsatz, eine Auswahl von Bildern sehen wir dann HIER. Viel Spaß.