Dürrenmatt mit Probsteier Laien-Ensemble

Alte Dame, neue Form: Regisseur Gunter Hagelberg inszeniert
Dürrenmatt mit Probsteier Laien-Ensemble
Stakendorf (kch) Nach den Adaptionen von Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ und des Goethe-Klassikers „Faust“ ist „Der Besuch der alten Dame“ aus der Feder von Friedrich Dürrenmatt das dritte Stück großer Theaterliteratur, das der Stakendorfer Autor und Regisseur Gunter Hagelberg für ein Ensemble Probsteier Laiendarsteller mit kleiner Band inszeniert.
Die Proben haben begonnen, in etwa einem Jahr soll das Stück in Stakendorf Premiere feiern. „Zynisch und hart“ habe Dürrenmatt die alte Dame Claire Zachanassian charakterisiert. Die Bewohner des Dorfes, in dem sie aufwuchs, haben ihr übel mitgespielt – so übel, dass aus Claire eine gefallene, verbitterte Frau wurde. Der Mann, den sie dafür verantwortlich macht, ist 30 Jahre später das Ziel ihrer Rache. Und die soll tödlich sein: Inzwischen zu Reichtum gekommen, setzt sie ein schier unglaublich hohes Kopfgeld auf ihren vermeintlichen Feind aus – und korrumpiert damit das ganze Dorf. Um es vorweg zu nehmen: „Am Ende zeigt sich eine auf den Kopf gestellte Welt, in der nicht mehr klar ist, was moralisch, wer gut, böse oder vielleicht noch ein wenig gut ist“, sagt Gunter Hagelberg über den menschlichen Kern des Stücks. Für den „Besuch der alten Dame“ habe sich Dürrenmatt eine „Inszenierung als volkstümliches Theater“ gewünscht, weiß Hagelberg. In über Jahre bewährter Zusammenarbeit mit dem Musiker Lothar Köhrsen trage er dem Rechnung, indem sie „die inhaltlichen Kontraste in verkürzten Szenen und selbstgeschriebenen Songs deutlich herausarbeiten und die Charaktere um unverwechselbare Wesenszüge ergänzen“ wollen. „Ganz wichtig ist mir“, betont Hagelberg, „dass sich das Probsteier Publikum in dem Stück wiederfindet.“ Deshalb habe er das Stück „weg von zu viel Zynismus, Härte und Einseitigkeit“ inszeniert. Denn: „Niemand ist nur gut oder böse, die Menschen sind unterschiedlich und vielfältig.“ Dennoch sei er mit der Inszenierung „werktreu und ohne zu viele Modernismen“ geblieben, wenn auch „mit eigenen, auf die Darsteller zugeschriebenen Akzenten“.
Und Corona? „Das Ensemble, alle Mitarbeiter und ich gehen einfach davon aus, dass ab September kommenden Jahres Aufführungen wieder wie bisher möglich sein werden: möglichst Stuhl an Stuhl in ausverkauftem Haus, ohne Angst und mit der alten Lust an der Theateratmosphäre“, formuliert Hagelberg seine große Hoffnung. Und: „Aufführungen vor stark reduziertem Publikum können sich nur subventionierte Theater und Konzertveranstalter leisten, aber eben nicht die kleinen, freien Theatergruppen.“ Denn die müssten ihre Produktionskosten ausschließlich durch Eintrittsgelder und Spenden decken.
Gunter Hagelberg hat gute 50 Jahre Theatererfahrung, etliche Stücke selbst inszeniert, als Kopf und treibende Kraft vor 30 Jahren das Kieler „junge theater spectaculum“ mitbegründet und für all diese Arbeit vor zwei Jahren das Bundesverdienstkreuz bekommen. Die Uraufführung des Stücks „Der Besuch der alten Dame“ ist für September 2021 geplant.

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