Hotel Seestern schließt seine Türen

Jan und Eric Meyer sagen Tschüß

Schönberg (kk) Das Neue Jahr beginnt für die Familie Meyer in Kalifornien mit einem Richtungswechsel. Jan und Eric Meyer schließen ihr Hotel und Restaurant und beenden die Familientradition nach fast 102 Jahren. Dass Vater und Sohn dennoch optimistisch und mit viel Humor in die Zukunft blicken, hängt unter anderem damit zusammen, dass sie ihre Immobilie gut verkaufen konnten – an eine Kieler Baufirma, die das über hundert Jahre alte Haus nun abreißen und ein Apparthotel samt Restaurant neu errichten wolle, wie Meyers berichten.
„Das ist schon eine Speckscheibe“, betonte Jan Meyer die Lage gleich hinter dem Deich. Dort hatten seine Großeltern das Hotel aufgebaut, die 17 Zimmer waren 2005 zuletzt von Grund auf modernisiert worden, mit Sohn Eric führte die vierte Generation den Betrieb. Den Grundstein für das Familienunternehmen bildete allerdings die Fischerei, die nun auch erhalten bleibt. „Gut, dass wir beide zwei Berufe und damit auch zwei Standbeine haben“, sagte der 73-jährige. Er ist seit 47 Jahren Fischereimeister und diese Vorliebe auch an seinen Sohn Eric weiter gegeben. Die beiden hatten sich vor knapp zehn Jahren für das Projekt „Fisch vom Kutter“ und damit für die Interessen der regionalen Fischer eingesetzt – mit großem Erfolg. Noch heute posten die Fischer ihren Fang über eine in dem Zusammenhang entwickelte App und verkaufen ihren Fang direkt. Vater und Sohn betreiben ihren Kutter nun weiter. „Es ist auch nicht so schlecht, dass ich künftig keine Hundertstunden-Woche mehr habe“, sagte Eric Meyer. Für diese Entscheidung kamen viele Faktoren zusammen, allen voran die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Kaum Gäste, rund 40 Prozent weniger Umsatz, 100 Essen weniger am Tag als gewohnt und kaum Aussicht auf Besserung. Rund 100 Busgesellschaften haben sonst dafür gesorgt, dass das Personal ganzjährig beschäftigt werden und auf Aushilfen verzichtet werden konnte. Die Corona-Pandemie gab nun auch den Ausschlag dafür, dass Jan und Eric Meyer sich entschieden haben, ihr Hotel und Restaurant zu schließen. „Wir bekommen zwar Hilfen und Darlehen, zum Teil richtig viel Geld, aber das müssen wir doch auch zurück zahlen. Wir haben aber keine Einnahmen um wieder Rücklagen zu erwirtschaften, das wird auch 2021 nicht viel anders werden.“, so Jan Meyer. Der 43-jährige nennt unter anderem auch die zögerliche Entwicklung der Infrastruktur in Kalifornien als einen Grund für die Aufgabe des Betriebes. In einem Gespräch mit dem Bürgermeister über die Zukunft des Betriebes habe der sich für ein „Vier-Sterne-Plus-Hotel“ ausgesprochen, statt eines Appart-Hotels, wie Meyers es geplant hatten. Danach, so berichtete Meyer, hätte es etliche Kaufangebote für das Grundstück und das Gebäude gegeben, bis nun schließlich die Entscheidung fiel. Denn eines stimmt ihn besonders froh: „Der Name Seestern bleibt erhalten, das neue Hotel wird ihn übernehmen. Denn so schlecht war unser Ruf ja nicht“, sagte Meyer bescheiden.
Meyers verabschiedeten sich bereits in den sozialen Netzwerken bei ihren Gästen, stehen aber mit ihrem Fisch vom Kutter weiterhin im Kundendienst. „Man kann auch telefonisch bestellen, oder über die App“, kündigte Meyer an. www.fisch-vom-kutter-de oder mobil, 0172-5174735.

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