„Küstenstreifen“ begeistert die Zuschauer

Am Sonnabend um 16:00 Uhr wurde im Freya-Frahm-Haus die Ausstellung „Küstenstreifen“ mit vielen Gästen eröffnet. Die beiden Künstlerinnen Astrid Krömer und Christine Grandt zeigen Acrylbilder, Treibholzobjekte und Fotografien. Kennengelernt haben sich die beiden während ihres Studiums in Hamburg an der Hochschule für angewandte Wissenschaften, weiter ging es dann gemeinsam mit ihrer Arbeit im Atelier9 in Hamburg und Kiel.

Blick vom Ehrenmal Richtung Kiel von Astrid Krömer

Astrid Krömer hat schon an die 100 Kinderbücher in den letzten 20 Jahren selbst geschrieben und/oder illustriert, seit 2006 gibt sie Malkurse für Kinder und Erwachsene. In Kinderbüchern kommt es ja immer sehr auf die Detailtreue an, Kinder sollen ja erkennen können, was auf den Bildern abgebildet ist. Das geht mir übrigens genauso. Diese Bilder malt sie 1:1 in der Größe des Kinderbuches, nun zeigt sie in der neuen Ausstellung einmal ihre großformatigen Acrylbilder die zwischen 2013 und 2017 entstanden sind.

Hier stehen nicht die einzelnen Details im Vordergrund, hier geht es um den Gesamteindruck, den das Bild auf den Betrachter ausstrahlt. Und da sind es zunächst einmal die warmen und kräftigen Farbtöne, die in Astrid Krömers Bildern vorherrschen. Das Meer, die Küste, dort leben wir und diese Motive haben wir ja alle täglich vor Augen. Und man kann sie natürlich ganz verschieden abbilden.

Auch wenn das eine oder andere Bild etwas abstrakt in Szene gesetzt wurde, es ist doch immer gut zu erkennen, was gemeint ist, es ist „unsere“ Landschaft hier im Norden. Andere Bilder sind wiederum sehr detailgetreu, wie z.B. der Blick vom Ehrenmal Richtung Hafen, da kommt dann wieder die Kinderbuchillustratorin bei Astrid Krömer zum Vorschein. Die Steilküste bei Stein vor dem großen Sturm, ja sogar einen Blick in den Keller des Freya-Frahm-Hauses vor dem großen Umbau hat Astrid Krömer auf der Leinwand festgehalten. In warmen Farben und nicht so dunkel und grau, wie es damals in Wirklichkeit war. Es gibt also eine Menge Bekanntes zu entdecken auf ihren Bildern.

Christine Grandt haben es die Treibhölzer angetan, die sie an völlig unterschiedlichen Orten sammelt, angefangen an bestimmten Ecken in Hamburger Hafen, auf Amrun, in St. Peter-Ording, Sylt oder Fünen und vielen anderen Orten. Jedes kleine Treibholz-Objekt erzählt eine kleine Geschichte und so gibt es auch fröhliche Namen zu diesen Objekten wie Ferien bei Tante Frieda, Warten auf das Postschiff oder Lisas Ausguck. Einfach entzückend, diese kleinen Meisterwerke, die Christina Grandt in liebevoller Handarbeit erschafft.

Treibholzarbeit von Christine Grandt

Völlig verblüfft haben mich dann aber die Fotos der Künstlerin. Teils bizarre Landschaften, Sahara-Dünen, gewaltige Felsformationen. Nur eines ist merkwürdig auf ihren großformatigen Fotografien. Zu sehen ist immer das gleiche Haus und der gleichen Leuchtturm in den völlig verschiedenen Landschaften. Würde man jeweils nur ein Foto für sich alleine betrachten stufen Auge und Gehirn das sofort als Realität ein. Alles passt im Maßstab genau zueinander. Und haben auf dem einen Bild Haus und Leuchtturm noch auf großen Sanddünen gestanden, stehen sie im nächsten Foto auf kargen Felsen. Mal bei Tag und mal beleuchtet bei Nacht.

Das habe ich jetzt als absolut verblüffend empfunden, denn es handelt sich dabei um perfekte Illusionen. Das Haus und der Leuchtturm sind kleine Architekturmodelle aus Pappe, das Haus hat Christine Grandt mitgebracht, es steht etwas abseits im 1. Stock einsam auf einem Sockel. Und weder die gewaltigen Felsformationen sind so gewaltig wie sie auf dem Foto erscheinen noch die Sanddünen der Sahara sind wirklich groß, sondern der Trick ist, mit der Kamera die Szene in die richtige Perspektive zu setzen.

Bei diesen Fotos erkennt man, dass Christine Grandt auch an der Filmakademie Baden-Württemberg, Ludwigsburg – Regie/Animation studiert hat, auch ihre Reisen während des Studiums u.a. nach Toronto, Shanghai oder Tel Aviv haben sicherlich einen Anteil an ihren Arbeiten.

Mit anderen Worten, „Küstenstreifen“ ist eine Ausstellung, deren Besuch ich auf jeden Fall sehr empfehlen kann. Am kommenden Sonnabend um 16:00 Uhr ist die Vernissage, bis zum 5. November ist die Ausstellung Fr + Sa von 14 – 18 Uhr und SO von 11 – 17 Uhr geöffnet.