Laster der Nacht

Der Laster der Nacht ist ein Wander-Kino auf Rädern, als Fahrzeug dient ein alter Laster von Magirus Deutz, Baujahr 1969, der früher als Gerätewagen der Feuerwehr in Töging am Inn im Einsatz war und seit 2002 als Wanderkino dient. 10 Liter Hubraum, 6 Zylinder V-Motor mit 150 PS, Allradantrieb und Luftkühlung. Über 80 mal macht der Laster der Nacht in diesem Jahr Station zwischen Burg auf Fehmarn und Innsbruck in Österreich. Und auch Laboe stand in diesem Jahr das erste Mal auf dem Programm.

3 Filme von und mit Charly Chaplin standen auf dem Programm, alle 3 aus dem Jahre 1917, sie sind also genau 100 Jahre alt, wie die beiden Macher Gunthard Stephan und Tobias Rank in ihrer kleinen Begrüßungsrede erklärten. Zur Freude der zahlreichen Zuschauer wurde nicht viel geredet sondern Kurzfilme gezeigt, die auch 100 Jahre später noch das Publikum lauthals zum Lachen bringen konnten.

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die Nacht senkt sich langsam über den Kurpark, gleich beginnt die Vorstellung

Alles passte ganz wunderbar zusammen, der alte Laster, der alte Filmprojektor der wacker und störungsfrei  seinen Dienst versah und bei dem nur nach jedem Film die Filmrollen gewechselt werden mussten. Also richtig nostalgisch, ohne streaming oder MP4. Dazu dann noch die Live-Musik mit Tobias Rank am Klavier, er hat Musik in Leipzig studiert, 2014/2015 übte er eine Gastprofessur an der Universität Bangkok aus.

An der Geige hörten wir Gunthard Stephan, seit seiner Jugendzeit spielt er schon Geige, erweiterte sein Talent an der Musikhochschule in Leipzig, seine Interessen für Technik, Mathematik und Physik kann er nun auch im „Laster der Nacht“ praktisch anwenden.

Gestartet wurde mit dem Film  „Der Einwanderer“, eine Überfahrt von Immigranten nach New York, die es in sich hat. Stürme lassen die Menschen an Bord durcheinander purzeln, man vertreibt sich die Zeit mit Karten spielen, bei welcher Tramp Charly Chaplin ordentlich abstaubt, das Geld aber dann einer jungen Frau für ihre kranke Mutter gibt. Die Mahlzeiten gehen bei hohem Seegang auch nicht ganz unproblematisch ab, also Slapstick pur.

Im zweiten Teil des Filmes treffen sich der Tramp und die junge Frau vom Schiff in Amerika wieder und Charly lädt sie zum Essen in ein Restaurant ein. Leider hat er kein Geld um die Zeche zu bezahlen, immer wieder schrammt Charly knapp an einer Schlägerei vorbei aber letztendlich findet sich ein Künstler, der die Zeche übernimmt. Natürlich gibt es auch ein Happy End, nach einigen Überredungskünsten trägt Charly die junge Frau dann ins Standesamt.

Es folgte dann der Film „Die Kur“, in der Charly Chaplin einen alkoholkranken Mann spielt, der zwecks Entzugs eine Klinik in einem Heilbad aufsucht. Allerdings mit einem Schrankkoffer voller Alkohol im Gepäck, an dem sich auch die Angestellten der Klinik munter bedienen. Als der Direktor der Klinik das bemerkt und befielt, den Alkohol zu entsorgen, dieser dann aber in der „Heilquelle“ der Klinik landet und daraufhin sämtliche Kurgäste sich hemmungslos an der Quelle bedienen geht es äußerst fröhlich und ungezwungen zu in der Kur.

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Charly Chaplin gewinnt immer – Geld oder die Herzen der Damen

In dem Film „Easy Street“ besucht der Tramp Charly Chaplin die christliche Sozialmission in der Easy Street während draußen wilde Straßenschlachten die Bewohner terrorisieren. Bei der Polizei fallen immer mehr Polizisten durch die vielen Schlägereien aus und so wird Charly, der sich geläutert als Polizist bewirbt, gerne genommen. Er schafft es, in der Schlüsselszene, dem riesigen Anführer die umgeknickte Gaslaterne überzustülpen und ihn mit Gas zu betäuben, so dass der Übeltäter endlich verhaftet werden kann. Obwohl der Rowdy sich wieder befreien kann, gelingt es Charly Chaplin dank einer versehentlichen Injektion mit Kokain in wilden Straßenschlachten dann endlich für Ruhe und Frieden in der „Easy Street“ zu sorgen.

28 Jahre alt bzw. jung war Charly Chaplin damals, als die Filme gedreht wurden. Das man noch heute über sie lachen kann ohne dass ein Wort im Film gesprochen wird, zeigt, dass man auch ohne große Technik-Effekte die Menschen zum Lachen bringen konnte und noch immer kann.

Es war ein ganz toller Abend mit einer super fröhlichen Atmosphäre im Kurpark, das hat mal wieder ganz viel Spaß gemacht.