Opernregisseur inszeniert Theaterstück im „Lutterbeker“

Wer Joachim Rathke (50) in Laboe mit seinen Dalmatinern begegnet vermutet kaum, einen bekannten Opernregisseur vor sich zu haben. Wenn man all seine Inszenierungen aufzählen sollte, wäre die erste DIN A4 Seite schon mal gefüllt, daher mal eine kleine Kurzfassung. Joachim Rathke studierte in Hamburg Musikwissenschaft und Romanistik sowie Opernregie an der Hochschule für Musik in Berlin.

Zudem hatte er hatte Lehraufträge an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig, an der Mahidol-University of Bangkok sowie an der Hochschule für Fernsehen und Film in München inne.

Seit 2001 ist Joachim Rathke freischaffender Regisseur, in dieser Zeit hat er 2 Schauspiele und 37 Opern im In- und Ausland inszeniert. In Laboe hat er zusammen mit seinem Ehemann Kai Rönnau zweimal die vielbeachtete und sehr erfolgreiche Ausstellung „Gestrandet“ im Freya-Frahm-Haus gestaltet, die auch in Kiel und in der Probstei für große Aufmerksamkeit sorgte und eindrucksvoll Stationen der Flucht der in Laboe angekommenen Flüchtlinge zeigte.

Opernregisseur Joachim Rathke mit dem Plakat zu seinem Theaterstück

Diese Ausstellungen haben sicherlich auch dazu beigetragen, dass das Miteinander zwischen Flüchtlingen und Einheimischen in Laboe und der Probstei so gut funktioniert. Einmal mit diesen Menschen persönlich zu sprechen, von ihrem Leid und schwierigen Weg nach Deutschland zu sehen und zu hören, Berührungsängste abzubauen, das alles haben diese Ausstellung schon sehr positiv bewirkt.

Aber Joachim Rathke wollte noch tiefer gehen. Er hat überlegt, welches Projekt wohl geeignet wäre, dass in den Ausstellungen Gesehene noch zu vertiefen. Und so kam er auf die Idee, ein Theaterstück zu inszenieren in dem die Flüchtlinge selber zu Wort kommen sollen. Aber so ein Theaterstück zu inszenieren kostet natürlich Geld, es braucht Unterstützer und Sponsoren.

Diese schwierige Hürde wurde genommen, gefördert wird das Projekt u.a. vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, der Bürgerstiftung Kreis Plön, der Reklamewerkstatt Laboe und vielen anderen Menschen und Institutionen. Große Unterstützung fand Joachim Rathke auch bei ZEIK aus Kiel, das ist das Zentrum für Empowerment und Interkulturelle Kreativität oder vereinfacht ausgedrückt – ein Ort für kreative Integrationsideen.

Kreativ war auch die Planung des Theaterstückes. Wie lässt sich dieses schwierige und sensible Thema auf der Bühne umsetzen? Welche geflüchteten Menschen sind bereit, aktiv auf der Bühne mitzuwirken und ihre Geschichte in irgendeiner Form zu erzählen? Viele Ideen wurden geschmiedet und wieder verworfen bis das endgültige Konzept stand.

Wir bringen eine Fernsehshow auf die Bühne. Eine Casting-Show in der Art von Deutschland sucht den Superstar. Nur eine/-r kann am Ende gewinnen. Und dem Sieger oder der Siegerin lockt ein Deutscher Pass. Es müssen u.a. Quizfragen beantwortet werden, es gibt musikalische Einlagen, aber zum Schluss kommt die allergrößte Herausforderung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Denn derjenige, der die schlimmste selbsterlebte Erfahrung aus seiner Heimat oder auf seiner Flucht erzählen kann, erhält den begehrten Deutschen Pass.

Proben zum Stück „Überlebende am Strand“ im „Lutterbeker“

Das alles ist wie gesagt nur ein Theaterstück, aber die Geschichten im Stück und zum Schluss sind alle echt. Da gibt kein Drehbuch den Text Wort für Wort vor, dass erzählen die Menschen so wie sie es am eigenen Leib erlebt haben.

Und genau das ist für den Regisseur Joachim Rathke eine ganz, ganz schwierige Aufgabe, die er nur mit sehr viel Feingefühl und dem ständigen Kontakt mit allen Teilnehmern lösen kann. Seit Oktober vergangenen Jahres laufen 2-mal wöchentlich die Proben, täglich führt er Einzelgespräche mit den Teilnehmern/-innen, denn bei diesen Menschen werden ja wieder Wunden aufgerissen, andererseits kann es aber auch helfen, das grausame Geschehen besser zu verarbeiten.

Durch die vielen, anfangs teils sehr behutsam geführten Gespräche sind wir zu einer großen Familie zusammengewachsen, die gelernt hat, über alle Probleme miteinander zu reden. Ein großartiges Gefühl für alle im Team, so Joachim Rathke.

Es wird also in dem Stück „Überlebende am Strand“ Szenen geben, die mit Sicherheit ganz gewaltig unter die Haut gehen. Auch wenn Humor mit dabei sein soll, eine Komödie wird es mit Sicherheit nicht.

Die Laiendarsteller auf der Bühne kommen aus Armenien, dem Iran, Jemen, aus Eritrea, Syrien und Afghanistan und aus Deutschland. Die jüngste Teilnehmerin ist 13 Jahre jung, hier waren ganz besondere Genehmigungen und Gespräche notwendig, aber die junge Dame ist sehr gefestigt und voller Energie und Eifer seit Anfang an dabei. Der älteste Teilnehmer ist 50, das ergibt also eine große Bandbreite wie die Menschen ihre Flucht erlebt haben.

Die Uraufführung findet am 9. Mai um 21:00 Uhr im „Lutterbeker“ in Lutterbek statt. Der Eintritt ist zwar kostenlos, aber eine Kartenbestellung unter der Telefonnummer 04343 – 9442 ist unbedingt erforderlich, da die Plätze begrenzt sind.

In Laboe ist eine Aufführung des Stückes im September auf dem Hof Wiese geplant. Weitere Termine und Orte werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Plakat zum Stück