Viele Helfer bei der Muxaller Karpfenernte

Muxall. (vn) Mit der Herbstzeit steht regelmäßig auch die »Karpfenernte« an. Etwa 30 Helfer haben sich dafür auf dem Hof Göttsch in Muxallversammelt, darunter auch viele Kinder.

Der neunjährige Ove und sein großer Bruder Anton (12) sind sogar schon zum wiederholten Mal dabei. Trotz der frühen Stunde und eines leichten Nieselregens ist die Stimmung in der ganzen Helferschar bestens, als es zu Fuß oder per Trecker auf matschigen Wegen zu den Teichen geht. »Eigentlich wollten wir mit der Ernte schon eine Woche früher starten«, berichtet Kristiane Göttsch, »aber die starken Regenfälle haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht«, bedauert die 42-jährige Teichwirtin, »aufgrund der hohen Wasserstände sind wir das nasse Element einfach nicht losgeworden«. Etwa vier bis fünf Wochen vor dem Abfischen werden in Muxall am sogenannten Mönchstauwerk die Bretter gezogen, damit das Wasser des Kasseteichs über den Kassegraben in die Hagener Au abfließen kann, aber erst nachdem sich deren Pegelstand wieder normalisiert hatte, war der Ablauf gesichert und die Ernte konnte endlich beginnen. Die hat eine lange Tradition an dieser Stelle: Schon im Mittelalter haben hier die Mönche aus dem Kloster Preetz ihren Speiseplan in der Fastenzeit aufgewertet und seinerzeit die Teiche angelegt. »Die Mönche waren schon immer sehr kreativ, wenn es um köstliche Speisen für die Fastenzeit ging«, grient Gerhard Göttsch und nennt mit Bier, Marzipan und eben Karpfen einige Beispiele. Ja sogar Enten und Gänse wurden gerne von den Ordensbrüdern zum erlaubten »Fisch« erklärt, weil sie sich ja schließlich auch gerne auf dem Wasser aufhielten.

Heute führen die Geschwister Kristiane und Gerhard Göttsch mit viel Kompetenz und Herzblut fort, was vor über 100 Jahren bereits ihr Urgroßvater bewirtschaftete. Insgesamt acht mittlere bis große Teiche mit rund 80 Hektar Wasserfläche gehören zu den Kasseteichen in einer idyllischen Lage inmitten von Wald und Flur. Hier wachsen verschiedene Fischarten, vor allem aber die Karpfen heran, bis mit dem Ablassen des Wassers das Abfischen beginnt. Dabei werden die Tiere mit einem Netz in die Flachwasserzonen getrieben und mit dem Kescher oder per Hand abgefischt. In den hausnahen Teichen dürfen sich die Fische dann bald darauf noch von dem Teichschlamm »freischwimmen«, bevor sie auf dem Verkaufstresen landen. Als ganzes Stück, aber auf Wunsch auch in kleineren Portionen oder küchenfertig filetiert – wartet die Ernte nun auf dem Hof Göttsch zwischen Schönkirchen und Probsteierhagen an der L50 (direkt hinter dem Ortsausgang Muxall) auf ihren Direkt-Verkauf. Immer sonnabends von 9 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung kann der Hofladen (Telefon: 0 43 48/3 79) besucht werden.