Wie behindertengerecht ist Laboe?

…. um diese Frage zu klären trafen sich auf Einladung von DRK und AWO einige Mitglieder aus dem Arbeitskreis „Inklusion Laboe“ am vergangenen Sonnabend vor dem AWO-Bürgertreff, um gemeinsam mit Betroffenen und interessierten Bürgern einen Rundgang durch Laboe zu machen. Mit dabei waren Inken Kuhn, Volkmar Heller, Ullrich Schaefer und Wilhelm Kuhn.

Die Frage lautet ja, können sich Blinde, Gehbehinderte, Rollstuhlfahrer oder Personen mit anderen Behinderungen leicht durch unseren Ort bewegen? Das, was „normalen“ Bürgern in der Praxis kaum auffällt, kann für Menschen mit Behinderungen aber ein großes Problem sein.

So wies z.B. Manfred Claus (63), der stark sehbehindert ist, auf die fehlenden Blindenleitsteine am Hafen hin. Da wurden während der Hafenumfeldgestaltung einfach ein paar Steine vergessen/nicht mit eingeplant, um die verschiedenen Leitsysteme miteinander zu verbinden.

Manfred Claus weist auf fehlende Leitsteine im Hafen hin
Manfred Claus weist auf fehlende Leitsteine im Hafen hin

Manfred Claus ist Laboer und findet sich mittlerweile mithilfe seines Langstocks sehr gut zurecht, aber für sehbehinderte Gäste oder Urlauber ist es schon ein großes Problem, wenn dicht am Wasser die Leitsteine plötzlich unerwartet aufhören.

Verbesserungsbedarf gibt es auch an vielen Bordsteinen, wo oftmals Absenkungen für Menschen mit Gehbehinderungen fehlen oder an der falschen Stelle angebracht sind.
Auch die Behindertenparkplätze sind nicht immer optimal ausgelegt, denn zum Ausladen eines Rollstuhls braucht man im Allgemeinen hinter dem Fahrzeug entsprechend viel Platz was nicht immer ausreichend berücksichtigt wird. Und auch bei einigen öffentlichen Toiletten fehlt es an entsprechender Erreichbarkeit oder Ausstattung.

Eine Stelle an der Bushaltestelle am Hafen wurde von allen Teilnehmern als sehr gefährlich eingestuft, dort ist es dermaßen eng wenn entweder die großen Gelenkbusse in die Haltebucht einbiegen oder viele Menschen zum oder vom Bus kommen. Wenn dann noch Menschen mit Rollator oder Rollstuhl dabei sind ist sehr gefährlich, denn Fußgänger müssen auf die Fahrbahn ausweichen. Gespräche über die Umgestaltung der ganzen Haltestelle werden aber schon seit längerer Zeit in der Gemeindevertretung diskutiert um diesen Bereich zu entschärfen.
Fast wie bestellt stießen die Mitglieder der Laboer Inklusionsgruppe auf ihrem Rundgang auf eine kleine Reisegruppe mit vier Rollstuhlfahrern und ihren Betreuer-/innen von der Henriettenstiftung aus Hannover. Die hatten gerade ein ganz anderes Problem hinter sich, wie eine der Mitarbeiterinnen erzählte. Denn ein heftiger Regenschauer stellte sie urplötzlich vor die Frage, wo bekommt man in Laboe ganz schnell 4 Rollstühle auf einmal irgendwo trocken untergestellt? Letztendlich haben sie sich aufteilt auf Cafe´s und Eisdielen und so sind alle noch einigermaßen trocken geblieben.

Ein allgemeines Problem wurde durch die Pflegekräfte aber auch noch angesprochen. Es gibt immer mehr Elektro-Rollstühle – einfach für die Betroffenen und das Pflegepersonal. Aber diese Rollstühle sind durch Motor und Batterien sehr, sehr schwer, sodass man sie kaum noch über Stufen, hohe Bordsteine oder andere hinüber bugsieren kann. Hier war der Wunsch an die Laden- und Restaurantbesitzer, diese Menschen nicht auszugrenzen sondern durch entsprechende Rampen den Zugang zu den Geschäften zu erleichtern.

Zum Schluss erreichte die Inklusionsgruppe dann das Beeke-Sellmer-Haus, wo Bücherei, Sportverein und VHS untergebracht sind. Vor rund einem halben Jahr wurde aus der Behelfsrampe aus Holz am Eingang nun eine massive Rampe gebaut. Aber Rollstuhlfahrer sind immer noch auf Hilfe angewiesen um die Tür zu öffnen, da wäre ein Türöffner sinnvoll um die Eingangstür elektrisch zu öffnen zu können.

Viele Punkte wurden im Laufe des Rundgangs notiert, wieweit sie technisch und finanziell umsetzbar sind soll nun in den verschiedenen Ausschüssen in der Gemeindevertretung beraten werden. Wobei ein Punkt ganz oben auf der Liste steht: Das Laboer Rathaus ist für Menschen mit Rollstuhl alleine nicht erreichbar.