Müllvermeidung geht uns alle an

Müllvermeidung geht uns alle an Heikendorf. Wir müllen uns zu: Gurken und Äpfel werden in Plastik verpackt angeboten und statt Kännchen gibt’s Coffee-„to go“ im Pappbecher, der nach einmaligem Gebrauch in die Tonne wandert. Rund 220 kg Müll produziert jeder Deutsche im Jahr. Das größte Problem dabei ist Plastik, das lässt sich nicht biologisch abbauen und schadet der Umwelt. Doch seit einigen Jahren findet bei vielen Menschen ein Umdenken statt: Sie wollen Müll vermeiden. Wie man das schaffen kann, wissen Marie und Marc Delaperrière vom Unverpackt-Laden Kiel. Auf Einladung des Aktionsforums für Nachhaltigkeit Heikendorf gaben die Kieler Tipps zur Müllvermeidung im Alltag. Mit der Geburt ihres ersten Kindes vor 16 Jahren hat bei Marie und Marc Delaperrière das erste Umdenken begonnen, erklärt Marie Delaperrière im Lesesaal des Heikendorfer Rathauses vor den zahlreich erschienen Zuhörern. Damals waren die Weichmacher in Babynuckel und -Flaschen gerade ein großes Thema.

„Da macht man sich als Mutter schon Gedanken, wie gut oder schlecht das für das eigene Kind ist.“

Doch die große Veränderung ihres Lebens begann vor sechs Jahren durch einen Bericht über Bea Johnson. Die Amerikanerin gehört der Zero Waste (Null Abfall)-Bewegung an und lebt mit ihrer vierköpfigen Familie komplett Müllfrei. „Das hat uns imponiert und dazu inspiriert, selbst über unser Einkaufsverhalten nachzudenken“, sagt Marie Delaperrière. „Denn wir wollen unseren Kinder schließlich keinen vermüllten Planeten hinterlassen.“ Dass das Vermeiden von Abfall jedoch nicht immer einfach ist und auch nicht von heute auf morgen funktioniert, davon erzählte das Paar ebenfalls – und liefert Geschichten von „kleinen Siegen jeden Tag, die uns Lust machen auf mehr, aber auch vom eigenen Scheitern“. Für Marie Delaperrière ist das Wichtigste auf dem Weg zur Müllvermeidung, „sich nicht verrückt machen zu lassen“. Kleine Schritte machen und nicht zu dogmatisch seinen Alltag leben, das habe sich für ihre Familie als ein guter Weg herausgestellt, sagt die Inhaberin des ersten Unverpackt-Ladens in Deutschland. Mit der Eröffnung ihres Geschäftes in Kiel, mit Vorträgen und Workshops über Zero Waste – die in Zeiten, in denen Umwelt- und Klimaschutz einen wachsenden Stellenwert in der Gesellschaft haben – fiel die Müllvermeidungsidee in Kiel schnell auf fruchtbaren Boden – und die Zero Waste-Bewegung breitete sich weiter aus. „Die Nachfrage der Kunden nach Produkten ohne Plastik hat dazu geführt, dass inzwischen viele Geschäfte wiederverwendbare Gemüsenetze anbieten, dass Aufschnitt und Käse statt in Plastik in selbstmitgebrachten Dosen verpackt wird, dass Plastiktüten in den Geschäften abgeschafft wurden und dass es nachfüllbare Kaffeebecher zum Mitnehmen gibt. Etwas, was vor Jahren aus hygienischen Gründen noch undenkbar schien“, freut sich Marie Delaperrière. Auch die Stadt Kiel hat sich Abfallvermeidung auf die Fahnen geschrieben: Sie will eine Zero Waste-City werden. Es sei vieles schon angeschoben worden, freut sich die 46-Jährige. Ohne Müll zu leben sei jedoch ein laufender Prozess. „Wir sind noch auf dem Weg und längst nicht am Ende angelangt.“ 8 Tipps, um Müll zu vermeiden:

1) Vermeiden Sie unüberlegte Käufe: Häufig kaufen wir zu viel, weil uns Sonderangebote locken. Und schmeißen am Ende Lebensmittel weg. Eine Einkaufsliste hilft, die Übersicht zu bewahren.

2) Gibt es Alternativen? Schauen Sie in Ihren Kühlschrank und überlegen Sie, für welche Produkte es plastikfreie Alternativen gibt. Milch und Joghurt gibt es in Flaschen und Gläsern, Aufschnitt und Käse können in Mehrwegdosen gekauft werden. Viele Lebensmittel gibt es auf dem Wochenmarkt und in großen Geschäften unverpackt oder im Mehrweg. Für Deos, Cremes, Seife sowie diverse Bad-, Küchen, WC-Reiniger gibt es Nachfüllpacks und/oder Plastikfreie Alternativen.

3) Verzichteten Sie auf Plastiktüten: Benutzen Sie zum Einkaufen einen Rucksack oder eine wiederverwendbare Tüte sowie Gemüsenetz und Brotbeitel. Richtig gut ist wer auch seinen nachfüllbaren Kaffeebecher immer dabei hat.

4) Kein Wasser aus EinwegPlastikflaschen trinken. Lieb er auf Glasflaschen oder Leitungswasser umsteigen.

5) Auf Einweg vermeiden: Statt „Coffee to-go“ lieber mal einen „Coffee to stay“ trinken. Auch Plastikstrohhalme, Fertiggerichte und Fast-Food-Verpackungen sind Einwegmüll.

6) Alten Dingen eine zweite Chance geben: Statt wegwerfen die Möbel spenden, nicht gebrauchte Kleidungsstücke, Bücher, Hausrat verkreiseln.

7) Reparieren statt wegwerfen: Upcycling ist jetzt ganz groß in Mode.

8) Wichtig: Seien Sie nachsichtig mit sich selbst, wenn die Müllvermeidung nicht gleich klappt, wie geplant. Jeder kleine Schritt zählt. Weitere Tipps und Ideen gibt es bei den Treffen des Zero WasteVereins Kiel. Alle Interessierte treffen sich zum Austausch regelmäßig am 4. Dienstag im Montag um 19 Uhr im Café Freistil, Lessingplatz in Kiel. Weitere Infos: www.zerowastekiel.de.

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