Wo geht Herkules hin?

da bin ich wieder….. es kommt mir wie eine kleine Ewigkeit vor dass ich nicht mehr am PC gesessen habe, dabei waren es nur 7 Tage. Aber ich war in einer sehr wichtigen Mission unterwegs, denn eine äußerst charmante Frau aus Kassel bat mich sehnsuchtsvoll, ob ich nicht einmal klären könnte, warum der Herkules in Kassel-Wilhelmshöhe an manchen Tagen unsichtbar ist und anscheinend einfach so von seinem Sockel verschwindet. Er steht schließlich in der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste und darf doch nicht einfach so abhauen. Wo geht der 9,2 Meter hohe Herkules hin? Oder ist es eine magische Illusion von David Copperfield oder den Ehrlich Brothers?

Solche Aufträge nehme ich natürlich immer gerne an, besonders wenn als Lohn Kost und Logis frei sind und mir eine nette Betreuung in Aussicht gestellt wird. Aber bevor ich das Rätsel lösen konnte muss ich von der wieder einmal sensationellen Pünktlichkeit der Deutschgen Bahn berichten. Denn auch diesmal gab es wie gewohnt sowohl auf der Hinfahrt als auch auf der Rückfahrt große Probleme.

In Hamburg fuhr der ICE nach München am vergangenen Donnerstag mit nur 5 Minuten Verspätung los, die hatte er bis kurz vor Hannover aber locker wieder raus gefahren. Ich hatte gerade eine WhatsApp-Nachricht abgesetzt dass erstaunlicherweise der Zug diesmal pünktlich in Kassel eintreffen wird und dabei schon überlegt, Bahnchef Richard Lutz ein Dankesschreiben zu übersenden das tatsächlich mal ein ICE pünktlich unterwegs ist als folgende Durchsage im Zug kam:

„Verehrte Reisegäste, wir werden in wenigen Minuten Hannover-Hauptbahnhof pünktlich erreichen. Die Weiterfahrt des Zuges verzögert sich aber leider auf unbestimmte Zeit wegen einer Oberleitungsstörung auf der ICE-Strecke zwischen Hannover und Göttingen. Reisende mit dem Ziel Göttingen werden gebeten, den Zug in Hannover zu verlassen und mit Regionalbahnen weiter zu fahren. Ladies and gentlemen, we will reach Hannover in a few minutes…..“ usw.

Nach weiteren 10 Minuten kam dann die Durchsage, wir werden Kassel-Wilhelmshöhe über einen Umweg anfahren, die geplante Ankunftszeit wird sich um ca. 90 Minuten verspäten. Reisende mit dem Ziel Göttingen werden nochmals gebeten, den Zug zu verlassen, Göttingen wird nicht angefahren………

Und dann ging es weiter in gemütlichem Tempo durch die mittlerweile pechschwarze Nacht. Wir sind durch so kleine Bahnhöfe gefahren, dort werden anscheinend nur die Milchkannen verladen, es können aber auch menschenleere S-Bahnhöfe gewesen sein, ansonsten viel unberührte Natur. Alles war dunkel, keine größere Stadt weit und breit in Sicht.

Der Mann der da mit diesem Wagen voll mit Snacks, Kaffee und Tee durch den Zug ging machte bestimmt das Geschäft seines Lebens an diesem Abend. Mit insgesamt 110 Minuten Verspätung haben wir dann Kassel erreicht. Das ist natürlich besonders ärgerlich, weil man ab 120 Minuten 50% des Reisepreises erstattet bekommt, so sind es nur 25%. Also die 10 Minuten hätte ich es nun auch noch gut ausgehalten, die Züge sind ja nicht unbequem sondern nur unpünktlich.

Auf der Rückfahrt waren es übrigens „nur“ 25 Minuten Verspätung, also eigentlich noch pünktlich im Sinne der Bahn, die reichten aber aus, dass ich den geplanten Anschlusszug von Hamburg nach Kiel nicht mehr erreicht habe, aber das ist ja kaum der Rede wert.

Am nächsten Morgen in Kassel beim Blick aus dem Fenster habe ich es dann mit eigenen Augen gesehen. Ein unheimlicher, ja fast gruseliger Anblick, denn dort, wo normalerweise der Herkules stehen sollte, war nur noch ein gewaltiges, graues NICHTS!

Deshalb war also das Fachwissen eines Menschen von der Küste dringend gefragt um dieses große und geheimnisvolle Rätsel zu lösen, denn hier in Laboe verschwinden ja auch schon mal komplette Containerschiffe vor den Augen der Betrachter. Und daher konnte ich auch dieses Rätsel nach einigen Spaziergängen in Wilhelmshöhe oder dem 173 ha großen Naturschutzgebiet Dönche erfolgreich lösen. Ergebnis meiner genauen Betrachtungen: der Herkules bleibt immer auf seinem Sockel stehen, aber ab und zu braucht er mal etwas Intimsphäre und dann zieht er einfach sein Nebel-Rollo runter und weg ist er.

OK, für den Nobelpreis reicht dieses sensationelle Forschungsergebnis noch nicht ganz aus, aber es war eine sehr schöne Zeit in Kassel, die mir sehr gut getan hat und auch zu vielen neuen Erkenntnissen geführt hat. Und leider gingen die paar Tage viel zu schnell vorüber, ich glaube, ich muss da nochmal öfters hin. Zumal alleine die Bahnfahrten ja schon immer ein großes Abenteuer sind.

Zurück in Laboe ist mir aber als erstes eines aufgefallen. Die Luft. Diese klare, herrlich erfrischende Luft. Der Wind, der einem ins Gesicht pustet und die Haare zerzaust. Naja, Haare habe ich ja nicht mehr so viel, aber trotzdem. Und diese Weite, der Blick zum Horizont, das alles gibt mir immer so ein Gefühl von Freiheit. Oder es erdet mich wenn ich daran denke, wie klein und unbedeutend ich doch als einzelner Mensch in dieser großen Natur bin.

Was gibt es aus Laboe zu berichten? Nun, verpasst habe ich das 30 jährige Jubiläum des 1. Laboer Herrenkochclubs, das am letzten Donnerstag stattfand. Die Einladung hatte ich in der Tasche, das hat mich innerlich ja fast zerrissen, F oder F…. Frau oder Futter. Denn ich war bei dem 25-jährigen Jubiläum dabei und kann nur sagen, die Herren übertreffen sich da immer selber, das ist eine Schlemmerevent das sprachlos macht, aber man soll ja auch genießen und nicht nur sabbeln.

Diesmal habe ich mich für das F wie Frau entschieden, aber trotzdem meinen ganz herzlichen Glückwunsch an Rolf Aulitzki und seine 6 Mitstreiter, von denen übrigens keiner Koch ist. Vielleicht schmeckt es deshalb immer so lecker bei den Jungs weil sie sich so viel Mühe geben, die Sterne-Köche zu übertreffen. Und da, wo Auli´s Gulaschkanone auftaucht kann man sicher sein, es schmeckt immer lecker. Also weiter so Männer, ich hoffe, ich kann beim nächsten Mal wieder mit dabei sein.

Zwischenzeitlich ist im Freya-Frahm-Haus die Ausstellung „Stille Pracht und Sinnenfreude“ zu Ende gegangen, aber nach der Ausstellung ist ja bekanntlich vor der Ausstellung und so habe ich heute schon mal einen Blick auf die neue Ausstellung werfen können, die am kommenden Samstag, den 26. Oktober um 12:00 Uhr eröffnet wird.

Der Titel lautet: „NORD&SEE” +”BONUSTRACKS”, gezeigt werden Bilder und Illustrationen von Tobias Pahlke.

Tobias Pahlke studierte Kommunikationsdesgin in Hamburg, nach einem Abstecher in die Werbung und einer Assistenz bei einem Hamburger Illustrator, machte er seine Leidenschaft zu seinem Beruf. Seit zehn Jahren arbeitet er als freiberuflicher

Illustrator für Verlage und Zeitschriften, Theater und Museen. Die Motive für seine Ausstellung “NORD&SEE” stammen aus Skandinavien und Norddeutschland.

Auf seinen Reisen durch Skandinavien, die Tobias Pahlke per Fahrrad, mit dem Kanu oder zu Fuß mit dem Rucksack unternommen hat, wuchs dann der Wunsch, den Charakter der dortigen Landschaftsformen und des Lichts in Öl einzufangen. Das ist ihm ganz hervorragend gelungen und so muss man schon sehr genau hinschauen, denn die Bilder von den Lofoten mit dem Haus vor dem Berg Vågakallen wirken wie fotografiert, sind aber tatsächlich fotorealistisch in Öl gemalt.

Im oberen Stockwerk sind unter dem Motto „Bonustrack“ Kunstdrucke zu sehen, die Tobias Pahlke ursprünglich einmal für das Auto- und Motorradmuseum „PS.SPEICHER“ in Einbeck als Bleistift-Skizzen angefertigt hatte. Die damals entstandenen schwarz-weiß Zeichnungen entwickelten sich im Laufe der Jahre zu farbigen Szenerien vergangener Jahrzehnte.

Und da wird es dann richtig schön nostalgisch, wirft man einen Blick auf die alten Fahrzeuge und Motorräder ab den 50-er Jahren. Das hat mir sehr gut gefallen, wurden da doch sofort einige Erinnerungen wach, z.B. an den schnittigen Volvo P 1800 ES für den ich als junger Mann immer geschwärmt habe.

Die Besucher erwartet also ab Samstag eine bunte Mischung völlig unterschiedlicher Bilder mit wunderschönen Landschaften oder Fahrzeugen, die uns ältere Semester einmal begleitet haben. Geöffnet ist die Ausstellung von Sonntag, 27. Oktober, bis Sonntag, 10. November und zwar Mo-Fr 13-18, Sa/So 11-18, Do 7.11., 13-17 Uhr.

So, das war es einmal wieder für Tag 1 nach meinem Kurzurlaub. Ich wünsche weiterhin eine schöne Woche und hoffe, der Herkules verschwindet nicht wieder so sang- und klanglos. Wir lesen uns dann am Freitag wieder, bis dahin sage ich wie immer Tschüss

Euer Ostsee-Pete

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